Mir wurde schon öfters mal die Frage gestellt, wie eigentlich solche Aufnahmen entstehen. Zu Allererst mussten jeoch einmal ein Haufen technischen Fragen gelöst werden, denn bis vor ein paar Jahren war die Nachtfotografie mit Blitzgeräten fast unmöglich oder gar für den Semiprofi noch völlig unbezahlbar...

Die wichtigste Hürde in diesem Fall ist, dass es bis vor paar Jahren kaum eine Möglichkeit gab, die Empfindlichkeit eines konventionellen Films in der Kamera so zu steigern, das Aufnahmen in der Dunkelheit mit Verschlusszeiten um die 1/250sek möglich waren. Bei stehenden Zügen konnte man ja möglichst lange belichten, doch ein fahrender Zug braucht nun einmal relativ kurze Belichtungszeiten um richtig scharf abgebildet zu werden. Vor der Wende war ich daher schon froh, überhaupt ein kleinen Pocketblitz zu bekommen, der gerade in der Lage war innerhalb von Zimmern halbwegs brauchbare Ergebnisse zu liefern. Draussen angewendet konnnte man nur bei Langzeitbelichtungen punktuell ein paar Aufhellungen bringen, denn bei Aufladezeiten um die 60 Sekunden war meist nur ein Blitz innerhalb einer 30 Sekunden-Aufnahme möglich.

Der hier bei dem Foto der 254 059 im schneearmen Winterfrühjahr 1989 in Elstawerda-Biehla verwendete Kompaktblitz reicht gerade genug aus um den dunklen Vordergrund der Lok im faden Bahnsteiglicht nicht ganz "absaufen" zu lassen. Für eine Aufhellung der dunklen Seitenfront wäre dazu noch ein zweiter Blitz nötig, den es aber nunmal nicht zu kaufen gab.


Erst weit nach der Wende wurde für mich der Gebrauchtmarkt für leistungsstärke Blitzgeräte attraktiv und so wurden nach und nach ja nach Füllung des heimischen Geldbeutel zahlreiche Gebrauchtgeräte mit Leitzahlen ab 45 beschafft. Im Vergleich dazu haben heute die kleinen Kamerablitze so um die Leitzahl 21, bei kleinen Digikompaten sogar nur noch magere 12.

Die Begeisterung auch nachts fahrende Züge zu fotografieren, stammt bei mir ganz wohl aus dem Bildband "Steam,Steel&Sars" des amerikanischen Altmeisters O.Winston Link aus den fünfziger Jahren ab, den ich allerdings erst nach der Wende zu sehen bekam. Schon beim Betrachten der Bilder habe ich ständig versucht herauszufinden, wo der Altmeister den seine Blitzgeräte damals hingestellt hatte. Entsprechende Erfahrungen mit solchen Bilder hatte ich zu dieser Zeit noch nicht, also gab es nichts anderes als profanes ausprobieren. Schon frühzeitig merkte ich dabei, das man das selbe Motiv mit einer anderen Stellung der Geräte ganz anders darstellen kann. Zahlreiche Motive sehen dagegen am Tage gesehen so recht unspecktakulär und öde aus, man würde einfach ungeachtet vorbeifahren. Bestimmte Stellen die nicht so gefallen, kann man dagegen einfach in der Dunkelheit verschwinden lassen.

 

            Die ersten Blitzfotos hier die ADAM Loks 9 und 10 in Karstedt mit drei Blitzen, oder die MWB1116.912 auf der Bremer Güterumgehungsbahn mit 5 Blitzen

Wie ameriaknische Altmeister, mache ich mir daher, von vielen Stellen die ich mir bei Tage vorher ansehe, schon ein paar Gedanken wo ich die Blitze aufstelle und ausrichte. Dabei notiere ich mir wichtige Ergänzungen, damit ich diese Stelle auch in völliger Dunkelheit aufbauen kann. Für mich war gleich von Anfang an wichtig,dass die ganze Blitzanlage auch in meinen kleinen Pkw passen musste. Durchschnittlich dauert heute der Aufbau der ganzen Gerätschaft jetzt so etwa eine Stunde.

Die ursprüngliche Ansteuerung der einzelnen Blitze über teilweise sehr lange Drahtverbindungen habe ich inzwischen fast vollständig aufgegeben. Einige unaufmerksame Zeitgenossen hatten die Verbindungen rausgerissen, oder noch schlimmer dabei auch noch die Stative mit den Blitzgeräten umrissen. Wenn dabei das Gerät zu Bruch geht ist es nicht gerade billig, doch noch mehr ärgert es einen, wenn dann nur noch die Hälfte der Blitze auslösen oder das Bild im richtigen Augenblick einfach dunkel bleibt.


  

Inzwischen ist die Funkübertragung von der Kamera zu den Blitzgeräten relativ stabil und so sind Entfernungen teilweise über 100m völlig sicher möglich. Ich verwende daher jetzt kaum noch die Syncronkabel, die bei Längen ab 70m nicht mehr die nötige Stromstärke für den Zündimpuls für die Hochvoltanlage der Metz Blitzlichter bringen. Ganz ohne Kabel geht es aber nicht ganz, denn hier und da muss mal ein Blitz aus dem Bild verschwinden, der aber mit einem optischen Auslöser zündet. Den kleinen Auslöser kann man da irgentwo geschickter verstecken. Zur Funkübertragung gibt es jetzt auf dem Markt der "über100m-Klasse" den bekannten Pocket Wizard plus2 und dessen verbesserten "Nachbau" PhottixAtlas. Der Vorteil dabei, beide arbeiten auf der selben Frequenz einwandfrei zusammen. Ob nun der Atlas ein einfacher Nachbau des PW2 ist sei nun dahingestellt, zumindest hat er zusätzlich auch noch einen Systemschuh für Mittelkontaktblitzgeräte. Ein wichtiger Vorteil wenn man mal auch zusätzlich kleine Kompatblitze zum Ausleuchten einfach ohne Stativ irgentwo dahinter stellen kann.

Wenn ich also noch ein wenig Zeit habe, probiere ich alles möglichst vorher noch einmal aus. Durch die heutige Digitalfotografie kann man ganz gut dann vor Ort noch kleine Korrekturen an der Ausleuchtung vornehmen. Hier ein Beispiel:


Größer Problempunkt ist und bleibt, die richtige Schärfeneinstellung der Kamera bei vollständiger Dunkelheit. Zahlreiche Aufnahmen sind daher schon mal daneben gegangen. Hier hatte ich einen Handscheinwerfer hinter das Gleis gelegt, der mir das helle Sativ der Hintergrundausleuchtung etwas angestrahlt hat. So hatte ich einen den Punkt zum Scharfstellen und konnte ich der Kamera den richtigen Auslösepunkt finden, gerade als der Zug des Stativ verdeckt hatte. Die Rauchkammer der Lok musste jedoch dunkel bleiben, weil man dort einen großen roten Stiefel als Zeichen der Nicolaussonderfahrt angebracht hatte.


Wenn man sich das Bild jetzt betrachtet, weiss man wie viel Aufwand nur dieses eine Bild bedeutet. Hier waren es 9 Blitze auf je einem Stativ aufstellen, die Funkempfänger anschließen für einen kurzen Klick, den man selbst durch den Sucher der Kamera nicht ganz hundertprozent einschätzen kann. Dann wieder fast eine Stunde den ganzen Kram zusammenpacken und ich bin nicht immer gleich überzeugt, das es sich der ganze Aufwand gelohnt hatte. Erst am heimischen Rechner, wenn man sich das Bild dann genau ansehen kann, weiss man woran man ist. Wenn es mal wieder nichts geworden ist, dann hole ich mir gemütlich eins von den hier unten gezeigten Meisterwerken raus und sage mir dann: Das probierste einfach noch einmal!

Literaturhinweise zum Thema:

   

Pleiten Pech und Pannen

Wenn man sich auf so eine hohe Kunst der Fotografie begibt, so ist es unausweichlich, das dabei Einiges daneben geht . Wer der Meinung ist, das Ganze sei einfach, einfach einen Blitz auf die Kamera zustellen und Nachts zu fotografieren, der irrt sich gewaltig. Die Ernüchterung folgt dann meistens gleich beim ersten Blick auf den kleinen Bildschirm auf der Kamerarückseite. Bei meiner ersten Aufnahme waren manchmal gerade mal drei weiße Lichter vor einer schwarzen Wand zu sehen. Nun habe ich schon ein paar, meist sehr schmerzliche Erfahrungen sammeln können, die es mir möglich machen, manche Stellen in völliger Finsternis aufzubauen und mir das fertige Bild quasi vor dem geistigen Auge vorzustellen.

Das nützt allerdings nichts, wenn dann auch noch die modernste teure Technik versagt. Hier war es die EOS5D oder der Speicherchip, die bei Temperaturen von unter minus 15 Grad einfach nicht mehr wollten. Als ich dann noch in völliger Finsternis das Auto auf dem ungeräumten Feldweg im Schnee festgefahren hatte und trotz Allrad fast irgentwo im Nirvana festsaß, war mir klar, was ich vergessen hatte. Die Schaufel lag immer noch zu Hause! So habe ich fast eine Stunde den Schnee mit den Händen weggebuddelt und so war auch die eingeplante Vorwärtsleistung dieser Lok vorrüber. Manchmal geht halt einfach alles daneben...